VERSORGUNG

Wohin entwickelt sich die Pflege in Deutschland?

In den letzten 12 Jahren hat sich in Deutschland viel in der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen getan – die Versorgungsform ist für viele entscheidend.

In diesem Artikel zeige ich dir den aktuellen Trend und was dieser auch in Zukunft für dich bedeutet.

Warum ambulante Versorgung explodiert – und was das für Angehörige bedeutet

Die Pflege in Deutschland verändert sich spürbar. Wer sich die offiziellen Zahlen der letzten Jahre anschaut, erkennt einen klaren Trend: Pflege findet immer häufiger zu Hause statt – und immer seltener im Pflegeheim.

Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, gesellschaftlicher Veränderungen und ganz konkreter Realitäten in Familien.

Die Zahlen sprechen einen klare Sprache

Zwischen 2014 und 2024 hat sich die Zahl der Leistungsempfängerinnen und -empfänger in der Pflege mehr als verdoppelt.

Besonders stark wächst dabei der ambulante Bereich – also die Versorgung zu Hause; mit der Hilfe von Angehörigen und dem Umfeld, sowie ambulanten Pflegediensten.

Die Unterbringung in Pflegeheimen ist im gleichen Zeitraum dagegen weitgehend konstant geblieben.

Der Wendepunkt liegt deutlich im Jahr 2017 – mit der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes.

Warum die ambulante Pflege so stark wächst

Es gibt dafür mehrere Gründe, die zusammenspielen:

Das Ergebnis: Pflege wird immer häufiger im privaten Umfeld organisiert – mit Unterstützung, aber selten vollständig abgegeben.

Was dabei oft übersehen wird

Während die Zahl der pflegebedürftigen Menschen kontinuierlich steigt, bleibt ein zentrales Problem bestehen:

  1. Der Pflegegrad-Antrag wird zu spät gestellt.
  2. Ein erheblicher Teil der vorgesehenen Leistungen wird nicht oder nur teilweise genutzt.


Weil die Orientierung und Anlaufstellen fehlen – nicht, weil der Bedarf nicht da wäre.

In der Praxis erlebe ich immer wieder, dass Pflegebedürftige und deren Angehörige unsicher sind, was ihnen überhaupt zusteht und wie die einzelnen Leistungen zusammenspielen. Viele wissen nicht, ab welchem Punkt ein Pflegegrad sinnvoll ist, welche Unterstützung auch bei vermeintlich „leichten“ Einschränkungen möglich wäre oder dass Entlastung kein Zeichen von Schwäche ist, sondern eine notwendige Voraussetzung, um Pflege langfristig zu organisieren.

Hinzu kommt: Pflege beginnt oft schleichend. Einschränkungen werden kompensiert, Aufgaben nebenbei übernommen, Strukturen stillschweigend angepasst. Genau deshalb bleibt der tatsächliche Unterstützungsbedarf lange unsichtbar – für Außenstehende, aber auch für die Familien selbst.

Meinen Einschätzung als Expertin

Die Zahlen machen eines deutlich: Die Zukunft der Pflege ist ambulant.
Pflege findet zunehmend im häuslichen Umfeld statt – getragen von Angehörigen, Nachbarn, Freunden und unterstützenden Diensten.

Gerade deshalb reicht es nicht aus, Pflege als rein familiäre Aufgabe zu betrachten. Wenn immer mehr Verantwortung in den privaten Raum verlagert wird, müssen Strukturen greifen, die Familien entlasten. Dazu gehören verständliche Informationen, realistische Einschätzungen des Pflegealltags und der frühzeitige Zugang zu Leistungen, die genau dafür gedacht sind.

Was Statistiken dabei nicht abbilden, ist die emotionale und organisatorische Belastung, die parallel wächst. Pflege zu Hause bedeutet Planung, Koordination, Verantwortung – oft zusätzlich zu Beruf und eigenem Leben. Ohne Unterstützung wird das schnell zur Dauerüberforderung.

Fazit: Pflege braucht Struktur, keine Durchhalteparolen

Wenn Pflege immer häufiger zu Hause stattfindet, darf sie nicht vom Zufall abhängen.
Auch nicht vom persönlichen Durchhaltevermögen einzelner Angehöriger.
Und auch nicht davon, wer sich zufällig im System auskennt.

Pflege braucht Struktur, Klarheit und einen realistischen Blick auf den Alltag. Ein frühzeitig beantragter Pflegegrad und die Nutzung aller vorgesehenen Leistungen sind dabei kein „Extra“, sondern die Grundlage dafür, Pflege überhaupt bewältigen zu können.

Pflege lässt sich nicht verhindern –  aber sie lässt sich deutlich besser organisieren, wenn man weiß, welche Möglichkeiten es gibt – und sie auch nutzt.

Dein nächster Schritt im Pflegedschungel

Egal ob noch kein Pflegegrad da ist, schon einer vorliegt oder du unsicher bist – hier findest du den passenden nächsten Schritt:

Noch kein Pflegegrad vorhanden?

Pflegegrad bereits vorhanden?

Du bist dir noch nicht sicher?

© Jennifer Reich  |  Impressum  |  Datenschutz  |  AGB